24. Februar 2012

Noch mehr Schaum und Polizisten



Die Staedtebesichtigung ging letztes verlängertes Wochenende schon wieder weiter – diesmal in Oruro und Cochabamba, die so nah beieinander liegen, dass wir gleich beides angeschaut haben.  Nach Oruro gings vorwiegend wegen Carnaval, der der zweitgrösste Südamerikas sein soll. Eingepackt in Plastikponchos haben wir uns auf das Schlimmste gefasst gemacht (was Schaum uzw. angeht), aber ich muss sagen, in meinem Projekt war echt am meisten los. Am Freitag zuvor war dort auch Fasching, die Kinder warfen Wasserbomben und sprühten mit Schaum rum und später wurde getanzt, jedem Tanzpaar ein Eimer Wasser über den Kopf geschüttet (es war a*schkalt!) und danach alles noch schoen mit Mehl eingerieben. Durch die Wassderschlacht spaeter ging die Hälfte aber schon wieder aus den Haaren raus...El Alto hat natürlich nicht das perfekte Wetter für sowas, aber es war echt witzig.
In Oruro hab ich dann auch Ähnliches erwartet, aber die meiste Zeit blieben wir verschont und konnten den Umzug geniessen. Die Kostüme sind echt aufwendig und sehr schön, aber mir persönlich hat es dann nach drei Stunden gereicht. Und der Umzug fing morgens um 7 Uhr an und ging bis in die Nacht! Wir selbst sind gegen 11 Uhr angekommen und abends schon weiter nach Cochabamba gefahren. Die Zeit über sassen wir auf unseren ziemlich hohen und ziemlich wackeligen Plätzen und sind nur zwischendurch runter von der Tribüne, um neues Essen und Bier zu kaufen :D.
Cocha liegt auf etwas mehr als 2000 Metern und war auch dementsprechend warm (ja, fuer uns sind 2000 Meter tief ;)). Dort sind wir den ersten Tag durch die Stadt geschlendert und bei einem Schmuckhändler gelandet, der uns dann gleich mal aus der Hand gelesen hat. Bei mir meinte er unter anderem, ich werde viele Veränderungen in meinem Leben haben und das wäre toll, weil ich immer wüsste, was ich daraus mache. Und ich könnte gut eine Führungsposition einnehmen. :P Aha, vamos a ver. 
Ansonsten bestand die meiste Zeit aus essen (hab noch nie so leckere Hamburguesas auf der Strasse gegessen!), abends waren wir im Kino und am nächsten Tag sind wir zum grössten Cristo der Welt gelaufen (zumindest noch – der in Polen soll noch grösser werden). Die Statue steht auf einem Berg und ich hab 1282 Stufen abgezählt und war auch etwas fertig, als wir oben waren, aber der Ausblick war einfach der Hammer. Cocha ist zwar „nur“ die drittgrösste Stadt Boliviens, sah aber grösser aus als La Paz, da alles viel flächiger war.

Für mein Projekt gibt es jetzt auch neue Pläne: Geige werde ich zwei Leuten weiterhin beibringen, meine Hauptaufgaben sind aber jetzt der Schwimmkurs jeden Freitag, Englisch für die Jugendlichen, die hier selbst arbeiten, und ein curso creativo für die Kinder und mit Johannes und Damaris, einer anderen Deutschen in unserem Projekt, auch für die Erwachsenen der Kinder, die ins Chasqui kommen.
Nebenbei werd ich mich jetzt wirklich in die Mülltrennung reinhängen. Es wäre ein riesen Erfolg, wenn das hier wirklich mal eingeführt würde. Es ist ja wie gesagt immer nicht so leicht, seine Vorhaben durchzuzetzen, weil immer alles „ahorita“, also so drei Stunden später, gemacht wird. Richtige Übersetzung hiervon ist übrigens „jetzt gleich sofort“. Deshalb ist es schon manchmal frustrierend, wenn die Organisation nicht so läuft, wie man sie sich vorstellt.  Wichtig ist es aber schon und ich nehme an, dass die Bolivianer ihre Pachamama nicht mit Absicht zumüllen.
Ich hoffe jedenfalls, am Ende von meinem Jahr hier ein paar Venderungen festzustellen und sei es nur, dass einer meiner Geigenschueler ein anhörbares Lied spielen kann. Und dass die Kinder unseres Schwimmkurses auch wirklich schwimmen können.
Der Kreativkurs ist auch nicht nur zum Spass da (also schon auch :P), denn die Kreativität der Kinder hier wird meiner Meinung nach zu wenig gefoerdert. Ausserdem halte ich das fuer eine gute Abwechslung zu dem ganzen Schul- und Lernstress.
Mal schauen, wie schnell ich das alles organisiert kriege und was ich meinem Papa Neues erzaehlen kann, der mich in weniger als einem Monat besuchen wird. :)

Und noch eine kurze Anmerkung zum Schluss: hier in La Paz lieben die Leute ja, zu demonstrieren und zu streiken. Laura und ich haben mit unserer Wohnung die „Regierungsstrasse“ erwischt, d.h. wir bekommen  immer mit, wenn mal wieder was los ist. Seit gestern wird für mehr Rechte der Behinderten hier gestreikt, auch oben in El Alto war eine Menschenmenge voller Leute im Rollstuhl. Den Grund der manifestaciones halte ich für sehr wichtig, da La Paz alles andere als behindertengerecht ist. Die Gehwege haben z.B. keine Absenkungen und es gibt oft keine Aufzüge. Aber gestern kam meine Mitbewohnerin etwas schockiert heim, weil mal wieder die ganze Strasse gesperrt und voller Polizisten war (das ist nichts Neues) und plötzlich viele Demonstranten auf die Polizisten losgegangen sind (DAS ist was Neues), was wohl auch nicht der richtige Weg ist, um etwas zu erreichen. Was genau vorgefallen ist, weiss ich nicht, aber wenn ich mehr Infos hab, geb ich die hier an euch weiter.


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