30. Dezember 2011

Es weihnachtet... son kleines bisschen

Also ums kurz zu sagen: Heiligabend war schoen, der Rest war kacke.
Wer die laengere Version will: Am 24.  haben wir uns in der Wohnung erst mal ein leckeres Fruehstueck gegoennt und danach hab ich mein Paket abgeholt. Ich war sooo froh, dass es puenktlich angekommen ist, drei Monate haetten die besten Plaetzle der Welt von Mama bestimmt nicht durchgehalten. Erstmal war ich ueberrascht, dass das Paket total riesig war und noch ueberraschter, dass von der ganzen Familie was dabei war. Danke nochmal an alle, ich hab mich sehr gefreut!
Mittags haben wir uns mit zwei anderen Freiwilligen, Jelena und Sarah, getroffen und haben Nudeln gegessen ( mit Spaetzle wars wohl nix...), um uns danach in einem Café noch Apfelkuchen mit Vanilleeis reinzuhauen.
Mit Gluehwein gabs dann abends die Bescherung und wir sind noch in die Kirche gegangen. An dem Tag hatte ich ueberhaupt kein Heimweh (ausser im Paket-aufmach-Moment), weil wir einfach die ganze Zeit unterwegs waren und mir ausserdem trotz allem nicht wirklich bewusst war, dass Heiligabend ist.
Die naechsten zwei Tage waren dann langweilig, weil ich in der Wohnung war nur irgendwie die Zeit totgeschlagen hab. Auf diese Weise hab ich zumindest innem Buch an einem Tag 300 Seiten geschafft, aber so richtig abgelenkt hat es nicht.
Laura, meine Mitbewohnerin, war auch woanders zum Essen eingeladen, aber meine Gastfamilie kam leider nicht auf die Idee, mich zu fragen, ob ich kommen will.
Ich glaube, das Verhaeltnis geht gerade son bisschen den Bach runter. Sie haben zwar positiv reagiert, als ich ausgezogen bin und haben mich auch zum Geburtstag meines Gastpapas eingeladen, nur konnte ich da leider nicht hin, weil ich da mal wieder krank war. Dann hab ich sie zum Kaffee eingeladen, daraufhin kommt ein Anruf, dass meine Gastschwester am naechsten Tag heiratet und ob wir, inklusive Torte, kommen wollen. In dem Moment hab ich mich dann auch gefragt, ob die Hochzeit nicht eigentlich schon seit Wochen geplant ist und dann hatten wir an besagtem Tag eben auch schon was anderes vor. Seitdem gibts Funkstille, auf meine Weihnachts-SMS hat auch niemand geantwortet. Vielleicht klaert sich das ja noch, aber die Familie unserer Vermieter verhaelt sich auch schon fast wie ne Gastfamilie ;).
Da hier mal wieder alles virenverseucht ist und anscheinend auch meine Kamera so langsam daran zugrunde geht, kann ich vorerst keine Bilder reinstellen. Ich hoffe, die Bilder sind ueberhaupt noch zu retten...

Mehr gibts erstmal nicht zu erzaehlen, ich hau jetzt erstmal ab an Strand!
Wo auch immer ihr seid, n guten Start ins Jahr 2012 :)

21. Dezember 2011

Cumpleaños feliz!

Das C.C.C.Chasqui hatte am 14.Dezember Aniversario, also sein 23-jaehriges Jubilaeum. Dementsprechend wurde an diesem Tag auch veranstaltet, bedacht, geschmueckt und gefeiert.

Hier geht die Party!
Morgens waren erstmal alle Kinder eingeladen, die ins Chasqui kommen. Mit ihnen wurden Spiele gemacht, z.B. Sackhuepfen, die Mamas mitsamt unserer Chefin durften "Reise nach Jerusalem" spielen. Sah mit den dicken Roecken ziemlich witzig aus, wie man sehen kann.
Natuerlich wurden einige Reden gehalten, von Adela (unserer Chefin) und einigen "tíos". Es wurde an den Sinn des Projektes erinnert, an die Anfangszeit 1988 und die Entwicklung bis heute. Das Chasqui hat sich stark verandert in dieser Zeit.
Es gibt mittlerweile neben vielen Raeumen fuer die educación fuer unterschiedliche Altersgruppen sogar eine grosse Sporthalle, in der sich die Kinder austoben und Feste veranstaltet werden koennen und z.B. auch ein Musikzimmer, in denen Kinder und Jugendliche musizieren koennen. Franz, der dort hilft, hat mir auch erzaehlt, welchen Erfolg er darin sieht, mit den Jugendlichen ein bisschen zu musizieren, damit sie ihre teils schwierige Lage vergessen koennen. Andere enden aus diesem Grund z.B. im Alkoholkonsum.
Es gibt mittlerweile auch eine ziemlich gut ausgestattete Bibliothek und einen Aerzteraum.
Auch an die Tatsache, dass durch Spenden (das Chasqui ist eine NGO, wie ich schonmal geschrieben habe) alle Materialien finanziert werden koennen - Milch und Kakao, Papier, Kartons, Schreibmaterialien etc., sollte gedacht werden. (Fast) Jeden Tag bekommen die Kinder gegen 11 Uhr morgens und 17 Uhr abends ein "refrigerio", also meistens ein warmes Getraenk und ein Broetchen dazu.
Ausserdem wird so auch teils das Gehalt der Erwachsenen finanziert und zusaetzlich konnten durch die GIZ noch notwendige Dinge angeschafft werden, wie ein Computer oder zwei neue Geigen.
Nach den Reden wurden an einige Kinder Zertifikate verteilt und es wurden wieder Taenze aufgefuehrt. Unter anderem zu diesem Lied, das ich extrem cool finde, dessen Interpreten hier aber anscheinend sehr verschrien sind - vergleichbar bei uns mit Tokio Hotel:


Der Abend war dann fuer uns Aeltere reserviert, zwischen 13 und 16 Uhr war also erstmal Pause. Die Kinder sind gegangen und wir haben erstmal ein paar Stunden zu dem tollen Lied da oben getanzt und uns irgendwie sonst die Zeit vertrieben, bis dann um 18 Uhr die Letzten im Veranstaltungsraum eingetrudelt sind. So viel zur Puenktlichkeit hier.
Ich wollte zu dem Tag auch etwas beitragen und hab mit ein paar Anderen dann "Viento de Cambio" (Wind of Change auf Spanisch, am Anfang etwas seltsam) einstudiert und aufgefuehrt.
Anscheinend kam das Lied ziemlich gut an, was mich freut, auch wenns nicht so unglaublich professionell vorgetragen war.
Es gab noch einige Reden, in einer hat ein "tío" erzaehlt, dass er frueher 10 Bolivianos die Woche verdient hat, also ca. 1 Euro. Sowas ist fuer mich schwer vorstellbar. In solchen Momenten wird einem weder bewusst, welches Glueck man hat, in die Lebensumstaende hineingeboren zu werden, wie wir sie kennen. Und dazu kommen dann die 10.000 Gedanken, wie ungerecht doch diese Welt ist.
Vielleicht halte ich dazu auch noch nen Vortrag, aber hier wuerde das alles zu sehr ausschweifen ;).
Vor dem Essen sollten wir alle aufs Dach gehen, wo ein paar Maedchen ein Feuerwerk organisiert haben und alle "tíos" mit dem Gesicht einmal in die Torte getunkt wurden, wie das hier Brauch ist an Geburtstagen.
Bis auf mein Bauchweh war alles ein gemuetlicher Abend mit leckerem Essen, der sich, nachdem wir wegwaren, anscheinend noch in eine ausgelassene Nacht verwandelt hat.
Alle schienen echt gluecklich zu sein und ich hab mal wieder festgestellt, wie toll es ist, dass es Institutionen wie das Chasqui gibt und dass ich ein Teil davon sein darf.
...die Kueche sah danach wieder aus wie Sau

12. Dezember 2011

Dezember im Sommer

Am anderen Ende der Welt versucht man einfach mit allen Mitteln, sich ein bisschen Weihnachtsstimmung zu verschaffen. Im Projekt backt man mit den Kindern Lebkuchen (sowas hab ich vorher in Deutschland einfach noch NIE gemacht...) und "Ausstecherla" und daheim werden 1000 Sterne ans Fenster geklebt und ein Adventskalender mit Teelichtern gebastelt.
Dass das alles nicht wirklich hilft, hat man evtl. schon in einigen Blogs von Freiwilligen gelesen, die im Ausland arbeiten, wo im Dezember die Sonne scheint. Sonst beschwer ich mich immer ueber Kaelte und Matsch, jetzt wuerde ich mir das alles inklusive Schnee  hier herwuenschen. Wobei, Schnee und Matsch ist immer noch besser als Regen und Matsch. So sieht es hier naemlich oft aus in der Regenzeit.
Und vor allem fehlen zur Zeit einfach die Familie und die Freunde. Heimwehzeit, aber die soll ja auch wieder vorbeigehen...

Am Freitag wurde von unserer Mentorin hier sogar Wichteln bei ihr Zuhause veranstaltet. In Kombination mit Weihnachtsbaum und -liedern gab es fuer zwei Stunden sogar ein bisschen Stimmung, danach war aber alles wieder weg. Dafuer sind wir Freiwilligen so kreativ, dass wir uns jetzt am Donnerstag auf den Platz vor die Kirche San Francisco stellen (dort kommen jede Menge Leute und Touris vorbei) und mit unseren Instrumenten ein paar Weihnachtslieder spielen, um Geld fuer unsere Projekte zu sammeln.

Im Chasqui war vor kurzem wieder eine Feria, d.h. wir sind zu einem grossen Platz in El Alto gefahren und hatten dort verschiedene Staende aufgebaut fuer Spiele, Informationen z.B. ueber Menschenrechte und welche, wo die Kinder ihre Werke praesentieren konnten. Ich persoenlich fand am spannendsten den Stand, an dem man mal traditionelle Kleidung anprobieren konnte :P

Ausserdem war an dem Tag eine Band da, Leute vom Chasqui haben selbst gesungen und Taenze vorgefuehrt und die Zirkusgruppe eine Show veranstaltet.
Mittlerweile haben die Kinder Schulferien und kommen ueber diese Zeit auch nicht mehr ins Chasqui, d.h. hier arbeiten nur noch die Erwachsenen. Ich persoenlich darf meine Arbeit nach Weihnachten in der Wohnung erledigen, was mich sehr freut, weil ich mir dann meine Zeit selbst einteilen kann wie ich moechte, ausschlafen kann und meine Mittagspause in La Paz verbringe. :)

6. Dezember 2011

Notizen

Heute ist Nikolaus und die Sonne knallt schon wieder vom Himmel, ich war im riesen Schreibwarengeschaeft und hab mir endlich Acrylfarben und Pinsel gekauft, um mich mal wieder kreativ verausgaben zu koennen, ich hab im selben festgestellt, dass man morgens in El Alto einfach nicht mit nem Hunnie zahlen kann, obwohl das Gekaufte 45,50 kostet, wir haben uns am Wochenende vor ner Einweihungsparty gefragt, wie man denn mit den Polizisten hier ins Gespraech kommt, kurz darauf haben wir auf der Strasse ein Bier aufgemacht, was eigentlich verboten ist, kommt einer her und sagt, eins waer schon okay und ob wir das Bier aus Oruro kennen, das waere naemlich das beste und zum Tanzen sollen wir doch am besten ins „Sol y Luna“ gehen. Die Loecher der Billiardtische hier sind kleiner als bei uns, gewinnen kann man aber trotzdem :P, es kann so toll sein, sich abends einfach hinzusetzen, ne Serie zu schauen und danach in Gammelhose ins Bett zu taumeln, ohne noch durch die Kaelte und an aggressiven Hunden vorbei zu muessen, es kann so traurig sein, jeden Tag die Bettler mit ihren Kindern in der sowieso schon armen Stadt zu sehen und ihnen was zu Essen zu geben mit dem Gedanken, auch nur fuer einen kleinen Moment helfen zu koennen.
Verdrehte Welt.