25. Oktober 2011

"Frust kommt auf, denn der Bus kommt nicht....


... und ueberall liegt Scheisse, man muesst eigentlich schweben, jeder hatn Hund, aber keinen zum reden…”
Ganz so schlimm ist es hier in El Alto wirklich nicht, muss man erstmal vorweg sagen. Aber der Ausschnitt aus “Schwarz zu Blau” passt schon ziemlich gut zu der Stadt. Eigentlich mag ich das Minibus-System hier, nur weiss ich morgens nie, wie viel Zeit ich einplanen muss. Aber “en punto” ist hier sowieso selten jemand, deshalb ists nich schlimm, wenn ich mal spaeter im Chasqui auftauch ;) Ja, und die Scheisse liegt wirklich ueberall… Die Hunde haben mich bis jetzt nicht wirklich gestoert, aber seit mich vorgestern ein Hund aus dem Nichts fast angegriffen haette, hab ichn bisschen Paranoia.
Das ist ein Grund mehr,  warum ich gerade sehnsuechtig darauf warte, ausziehen zu koennen. Die Wohnungssuche ist im Gange, aber auch nicht so einfach. Vielleicht trauemen wir auch nur, fuer unser kleines Budget eine moebelierte Wohnung mit Aussicht unten in La Paz zu finden ˆˆ.
Ich waere auf jeden Fall gluecklicher, dort wohnen zu koennen und nicht in El Alto. Klar ist hier nicht alles schlecht, bis auf einige Missverstaendnisse, die ich jetzt mal auf die Kulturunterschiede schiebe, hab ichs ziemlich gut bei meiner Gastfamilie und ich mag mein Projekt sehr gerne.  Ich will nur unabhaengiger sein und es waere schoen, abends auch einfach mal wieder ein Kaesebrot essen zu koennen ;). Und wenn man am Wochenende feiern war, hat man es nicht so weit nach Hause. Der Arbeitsweg wird dadurch auch nicht laenger, wenn wir an der richtigen Stelle in La Paz eine Wohnung finden.
An dieser Stelle sollte jetzt eignetlich die Karte auftauchen, in der ich so schoen eingezeichnet habe, wo ich im Moment wohne, arbeite und wie es nach La Paz geht. 
Aber es geht auch anders: in Google Maps nach El Alto und "Plaza 1ro de Mayo" suchen, dort wohne ich,wenn man von dort die Avenida Bolivia nach oben verfolgt (mein Erdkundelehrer wuerde mich jetzt umbringen), ueber den Fluss, da ungefaehr ist das Chasqui und von der Plaza aus nach rechts oben am Flughafen vorbei sieht man die Autopista, die nach La Paz fuehrt.



fuer die schlanke Linie
Neben dem Geigenunterricht, den ich gebe, bekomme ich jetzt sogar selbst ein bisschen Klavierunterricht im Chasqui. Mein erstes Lied: Happy Birthday - kann ja nicht schaden. 
Ansonsten mache ich dort dasselbe wie bisher.
Der Prado, eine schoene Strasse im Zentrum von La Paz
Aussicht auf La Paz
Das Wochenende haben wir, eine andere Freiwillige und ich, komplett in La Paz verbracht. Freitagabends in unserer “Stammbar”, wo es z.B. Mojito Maracuja oder auch den Sexy Motherfucker (:D) zu trinken gibt und Samstag war eine Hochzeit geplant, was sich letztendlich aber in einen schoenen vollgepackten Tag mit mega Fruehstueck, Fitnessstudio, Schwimmbad und Sauna verwandelt hat. Das hat mich einfach komplett davon ueberzeugt, runter zu ziehen, weil ich dann evtl. abends nach der Arbeit noch was machen oder wenigstens in ein Café sitzen kann. Hier oben gibt es anscheinend auch die eine oder andere Bar, die meisten sollen aber in der Ceja sein (und wer meinen Blog oefter liest, weiss, dass die nachts gefaehrlich sein kann).
Sonst gibts nix neues, ich melde mich wieder, wenn unsere Suche erfolgreich war oder sich sonst was tut. Also hoffentlich bald!

10. Oktober 2011

Das wahrscheinlich bunteste Haus El Altos

So, das jetzt nicht mehr ganz so chaotisch ist, kann ich mal ueber meine Arbeit schreiben.
Das Centro de Comunicación Cultural Chasqui gibt es seit 1988 und ist seit 2001 eine NGO. Wer Spanisch versteht, kann sich hier ein bisschen was durchlesen:http://centrochasqui.blogspot.com/
...nicht ganz aktuell, aber das Hauptanliegen hat sich nicht geaendert.
...und hier koennt ihr gerne mal kurz "Gefaellt mir" druecken :) http://de-de.facebook.com/pages/Chasqui/211692668849909Das Tolle im Chasqui ist, dass ausser Johannes und mir noch andere Jugendliche dort arbeiten, die meisten auch freiwillig. Ansonsten gibt es noch an die 10 Erwachsenen.
Und es ist wirklich eines der wenigen Haeuser, das von aussen ein bisschen farbig ist. Letztes Jahr haben sich ein paar Leute an der Aussenwand verkuenstelt (schade, dass ich da nicht dabei war :P )

Das Chasqui


Mein Arbeitstag faengt um 9.00 Uhr an, davor gibts immer Erdbeermarmeladenbroetchen zum Fruehstueck - nicht gerade abwechslungsreich aber besser als das Mittagessen ;) Von 12 bis 14.30 ist Pause und wenns klappt kochen wir dann im Projekt, weil es in den Restaurants seeehr oft Reis mit einer Kartoffel und nem Stueck Fleisch gibt, ohne Sosse und (fast) nicht gewuerzt. Kulinarische Koestlichkeiten hab ich hier komischerweise noch nicht entdeckt, wobei ich auch nicht verstehe, warum sie so oft dasselbe essen, wenn sie doch so viele Moeglichkeiten haben. Wenn wir ins Restaurant gehen, ess ich immer nur die Suppe, weil es abends in der Familie auch nochmal warmes Essen gibt. Das schmeckt dann vergleichsweise echt gut.
Mittlerweile hab ich meinen mehr oder weniger geregelten Stundenplan (Spontanitaet steht im Chasqui an der Tagesordnung) und ich konnte meinen Geigenunterricht anfangen - juhu! Das Instrument hat mir ziemlich gefehlt und es ist scheon zu wissen, dass hier so viele Interesse daran haben (30 Leute zu unterrichten wird ein bisschen schwierig... :D Aber vllt schaff ich es, einige wieder abzuschrecken mit dem Argument, dass das alles ein bisschen mit Mathe zu tun hat. Das ist hier naemlich anscheinend genauso beliebt wie bei uns...)
Das werde ich DO und FR machen, ansonsten unterstuetze ich morgens die Hausaufgabenhilfe, was manchmal schwierig wird, wenn man nicht genau weiss, was die Kinder aufhaben. Ausserdem sind die ja nicht bloed und merken, dass "profe" Nathalie auch nicht alles versteht und man kommt sich dann schon ein bisschen ver*rscht vor, aber so langsam durchschau ich sie ein bisschen :P Und wenn sie motzen, dass sie alles fertig machen muessen, weiss ich, dass auf das Schmollen am naechsten Tag wieder eine liebevolle Begruessung mit Umarmung folgt ;)
 Mittags arbeite ich mit noch kleineren Kindern zusammen, wir machen Aufgaben, malen oder spielen. Die sind auch weitaus einfacher zu betreuen :D
Dienstags helfe ich in der Comunicación (bzw. halte mich dort auf, mehr kann man das noch nicht nennen). Hier ueben die Kinder das Sprechen, indem sie aufgenommen werden oder wir organisieren Veranstaltungen  wie ein Theater-Festival am Samstag.
Mittwochs haben Johannes und ich es geschafft, Englischunterricht an einer Schule zu organisieren und spaeter gebe ich noch Nachhilfe in Englisch, was mir sehr Spass macht, weil meine "Schuelerin" und ich uns gut verstehen.
Ganz so genau kann ich meinen Stundenplan aber wie gesagt nicht nehmen, weil immer mal wieder ploetzlich was anderes wichtiger sein kann.
Es stimmt schon, man muss hier viel Eigeninitiative ergreifen und ein paar mal nachfragen, um was in die Gaenge zu kriegen, aber am Ende ist man stolz, was Neues eingebracht zu haben.
Da ich jetzt sozusagen meinen Platz hier gefunden habe, bin ich zufrieden und mit dem Spanisch klappts auch gut -was man nicht sagen kann oder versteht, kann man umschreiben.
Was mir noch ein bisschen fehlt ist das Weggehen - hier oben in El Alto gibt es fast nichts und nach dem Feiern in La Paz muss ich alleine mit dem Taxi wieder hochfahren, was ich auch eher vermeiden will... Um die Ecke wohnt aber eine andere Freiwillige, die auch mal in La Paz uebernachten kann und das macht das Ganze ein bisschen einfacher.
Ich hoff, dass ich uebers Nachtleben bald auch ein bisschen mehr berichten kann. In La Paz gibts sogar nen Dubstep-Schuppen :)) Mal schauen, wann ichs da mal hinschaff...
Wer sich uebrigens ein bisschen wie in Bolivien fuehlen will, sollte sich die taegliche Dosis dieses Liedes reinziehen - irgendwo hoert man das immer:
Und wer mir mal was schreiben oder schicken will, dann an diese Adresse - ich freu mich ueber Post :)
Nathalie Walter Cooperación Alemana Servicio de Voluntarios GIZ Casilla 3-35180 La Paz Bolivia Regalo Geschenk

3. Oktober 2011

Vom Winter in den Sommer in drei Stunden



Mit drei anderen Freiwilligen war ich am Wochenende in Coroico, einem Dorf mitten im Dschungel (noch eher subtropisch, aber unglaublich schoen!). In ungefaehr 3 Stunden "runter" auf 1800 m. Fuer uns hat sich das ziemlich tief angehoert, aber wenn man die Hoehe mit Deutschland vergleicht, kann man sich denken, dass wir die Sonne etwas unterschaetzt haben. Trotz Sonnencreme waren wir dann doch alle ein bisschen rot...
Los gings am Freitag um 18 Uhr - natuerlich im (etwas klapprigen) Minibus. Neben der beruehmten Todesstrasse gibt es noch eine andere Route, die wir gefahren sind.
Ich waere gern dort entlang gefahren, aber ich glaub einigen war es lieber, dass wir uns anders entschieden haben ;). Leider war es so schnell dunkel, dass wir von der Landschaft nicht so viel gesehen haben. Umso beeindruckender war dann der naechste Morgen: nach viel Erholungsschlaf im 2-Euro-Hotel ohne Wasser und einem leckeren Fruehstueck im deutschen Restaurant gingen wir zu den Wasserfaellen wandern. Fuer mich hat sich das Ganze als Herausforderung herausgestellt, ich bin ja nix gewoehnt, aber am Ende war ich natuerlich doppelt so stolz, dass ich alles hingekriegt hab. Die Umgebung war einfach unglaublich: riesige, wie gemalte Berge um uns herum, viele exotische Pflanzen und so zwischendurch kann man sich einfach mal ne Banane vom Baum pfluecken. Ich war einfach total begeistert - die Bilder sagen alles!
(wenns klappt, folgen mehr als die drei)
Unser Ziel war der dritte Wasserfall, wo man eigentlich baden kann, bei uns war das leider nicht der Fall. Nach einigen Umwegen durch die groesste Pampa haben wir ihn dann letztendlich gefunden. Auch wenn der "See" wenn ueberhaupt ein Teich war, haben wir uns gleich die Wanderschuhe von den Fuessen gerissen und sind ein bisschen durchs Wasser gewatet.
Zurueck gings dann mit dem Taxi, in dem wir festgestellt haben, dass wir schon ziemlich weit gelaufen sind. Abends sind wir ein bisschen durchs Dorf gelaufen, haben uns auf die Plaza gesetzt, leckere frisch gepresste Fruchtsaefte und Erdbeermilch getrunken und einfach die Waerme genossen. Am Sonntag gabs nochmal deutsches Fruehstueck, ein paar Stunden am Pool unseres zweiten Hotels (das zwar etwas teurer, aber auch umso schoener war) mit Panoramablick auf die Berge, endlich mal wieder die Moeglichkeit zu schwimmen und in der Sonne zu liegen.
Die Sonne, die Waerme, die vielen gruenen Pflanzen und auch die Ruhe ohne viel Gehupe haben mir insgesamt so gut getan. Fuer uns steht auf jeden Fall fest, dort noch oefter hinzugehen. Mal kurz ins Paradies zu fahren ist von hier aus ja gluecklicherweise moeglich :)

Tiwanacu

So nach nem Monat fang ich jetzt endlich mit der Entdeckungstour meiner Umgebung an :) Letztes Wochenende waren wir in Tiwanacu, um uns die Inka-Ruinen anzuschauen. Das Wetter wollte anfangs nicht mitmachen, deshalb war es sehr kalt, spaeter kam dann aber die Sonne durch. Das Highlight war wohl die Puerta del Sol (das Sonnentor), wobei ich mir nicht ganz im Klaren darueber war, dass ich jetzt wirklich vor DER einzigen stehe. Liegt vielleicht daran, dass sie gar nicht so gross ist, wie man sie sich eigentlich den Bildern nach vorstellt... Die Puerta deutet darauf hin, dass die Aymaras schon vor mehr als 2000 Jahren gewusst haben, dass ein Jahr 365 Tage hat und der Tag 24 Stunden. Die Puerta del Sol ist von einem Gemaeuer umgeben, durch dessen Ecken am 21. Juni und 21. Dezember die Sonne direkt durch die Puerta scheint und am 21.Maerz und 21.September von der Tuer aus direkt hindurch. Wir waren leider drei Tage zu spaet dran, sonst haetten wir das gesehen.
Unsere Fuehrung war eigentlich interessant, aber wie das eben bei Fuehrungen so ist, vor allem auf einer anderen Sprache, schweift man dann doch gerne mal ab. Zumal der gute Mann sich das Englisch haette sparen koennen, da man das Spanisch sowieso viel besser verstanden hat. ;)