20. Juli 2012

Ich und La Paz werden ein Jahr älter

die tios kriegen auch n bisschen ab!
Mein Wochenende war ziemlich vollgepackt. Am Freitag hatte ich Geburtstag und ich hab mich schon lange darauf gefreut, diesen traditionell bolivanisch zu feiern.
in Mallasa
Als ich aber morgens in mein Projekt kam, wussten zwar alle Bescheid, aber niemand hat mir gratuliert, was ich ziemlich komisch fand. Später habe ich aber erfahren, dass das hier bei manchen Leuten normal ist, dass man nichts sagt. Eine Mitarbeiterin meinte, dass manche ihren Geburtstag nicht feiern, es wäre ein Tag wie jeder andere. Aber ICH mag Geburtstage eben ziemlich gerne und war dementsprechend beleidigt ;) Was im Chasqui aber dennoch immer gemacht wird: es gibt eine kleine Feier mit Torte. Das kannte ich schon von den anderen, hab es aber selbst als komisch empfunden, dass dann doch noch von allen Seiten Glückwünsche kommen. Aber dann gibt es widerum die schöne Seite an einem Geburtstag hier: jeder der möchte, sagt dir neben den "Typischen" Sachen ein paar nette Worte zu deiner Person. Ausserdem muss das "Geburtstagskind" am Anfang in die Torte beissen. Das bedeutet, wenn man gerade ansetzt, tunkt dich jemand mit dem halben (oder in meinem Fall mit dem ganzen) Gesicht in die Torte. Den zermatschten Teil der Torte bekommt man dann zum essen :D
Das Schöne an meinem Geburtstag war, dass nicht nur Mitarbeiter sondern auch einige Kinder dabei waren, von denen ich was bekommen habe.
Ich habe sogar ein "Habbi Bördei" gesungen bekommen und natürlich "Cumpleaños Feliz". Also am Ende war der Tag für mich dann doch noch gerettet. Abends waren wir noch feiern und am nächsten Tag war ich dementsprechend kaputt, hab den halben Tag im Bett verbracht und nen Kuchen gebacken.
Am Sonntag waren wir dann noch im Park von Mallasa picknicken.
Mallasa ist ein Dorf so 20 Minuten von La Paz entfernt und neben dem Park gibt es einen Zoo und Motocross. Abends ging es dann schon wieder weiter: der 16.Juli ist Tag von La Paz, dementsprechend wurde im Zentrum gefeiert, getanzt und getrunken. Da viele deshalb am nächsten Tag nen "Chaqui" (Kater) haben, wird das Feiern einfach mal vorverlegt und um 12 gibt es ein Feuerwerk.
Es war ein einziges Gedränge und Geschubse, vor allem in den Seitenstrassen. ich hab mich ein bisschen gefühlt wie auf einem Festival, nur die Musik war natürlich traditionell: es lief viel Cumbia und Reggaeton. Am ganzen Prado (der Hauptstrasse) entlang waren Essens- und Getränkestände aufgebaut. Die Typischsten davon: Anticucho, Rinderherz mit Kartoffeln (hört sich sehr fies an, aber ich hab mich letztendlich doch getraut, es zu probieren und es schmeckt echt gut), Hamburguesas, also Hamburger und Té con té, eine Mischung aus Singani, dem typischen bolivianischen Schnaps, Schwarztee, Honig/Zucker und eventuell Zitrone. Ist sehr lecker, ich mag das Getränk auf jeden Fall lieber als Glühwein. Normalerweise ist in Bolivien der Konsum alkoholhaltiger Getränke auf der aaaaStrasse ja verboten, umso mehr schienen die Paceños an dem Tag zu trinken... Um 12 gab es dann das Feuerwerk (die sind hier übrigens immer echt schön!) und die Hymne von La Paz wurde (mehr oder weniger lallend) gesungen.
Den Montag hab ich persönlich nicht mit Chaqui verbracht, sondern mit viiiel Essen beim Brunchen mit Freunden, Pizza essen bei Johannes mit den Chasquileuten und abends einem Film :)

Anticucho-Stand

12. Juli 2012

Chacaltaya und ein bisschen Politik

Der Illimani hat uns auf dem ganzen Weg begleitet
Ende Juni haben wir es geschafft, vor der Abreise der ersten Freiwilligengruppe noch was gemeinsam zu unternehmen. In einer Woche geht es für sie schon zum Abschlussseminar nach Santa Cruz und dann nach Hause. Das aendert fuer mich auch schon Einiges, weil Laura mich dann alleine in der Wohnung zurücklässt Auch wenn ich noch 1 1/2 Monate hier bleibe, ist schon ein bisschen die Aufbruchsstimmung da und die damit verbundenen Gedanken. Aber dazu ein andermal.
Zu 12. sind wir am Samstagmorgen in nem Minibus auf den Chacaltaya gefahren, ein 5000er (ist ja von 4000 auch nich mehr sooo weit weg :P) ca. eine Stunde von La Paz entfernt.
Im Hintergrund der Talkessel von La Paz

Es war traumhaft! Abgesehen von der Tatsache, dass vor einigen Jahren fast der ganze Berg noch voller Schnee war...
Man hat, auf dme Parkplatz angekommen, von Weitem die zwei Städte gesehen, wie El Alto ins Tal nach La Paz übergeht. Um uns herum war ein Panorama von Bergen und im Tal drei verschiedenfarbige Lagunen.

Auch wenn es teilweise ziemlich steil hochging, hat es sich wirklich gelohnt! Auch der Berg selbst sieht sehr interessant aus: übereinandergestapelte Platten aus Stein, die teilweise wie eine Art Bücherfriedhof aussehen. Zwischendurch sieht man noch vereinzelte Eisplatten. Dazu schaut man sich am besten die Fotos an, metaphorisch bin ich in der Hinsicht vermutlich nicht so begabt :D 
wie immer im Winter hier strahlend blauer Himmel ♥
Von dort oben merkt man einfach wieder, wie toll die Landschaft im Altiplano ist, auch wenn die Kälte ziemlich nervt. Ich schlafe mittlerweile sogar mit Wollmütze, weil die Fenster in meinem Zimmer anscheinend nicht ganz dicht sind...
Der Tag war echt schön mit allen zusammen und hat mich sehr glücklich gemacht :)

Mein Projekt hat mich insgesamt aber nicht so erfüllt, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich will nicht, dass es rüberkommt, als wäre das Chasqui kein gutes Projekt. Es besteht ja schon seit über zwanzig Jahren und es gibt einen Haufen Aktivitäten. Aber ich glaube, genau DARIN liegt das Problem. Eigene Ideen finden da schwer ihren Platz und fürs Mitwirken fehlt oft die Kommunikation. Was es mir trotzdem so schwer machen wird, von hier zu gehen, sind einfach die Sachen "drumrum", mein Leben hier. Mein Gedankenchaos dazu kriegt ihr aber erst ganz am Ende aufgetischt ;)

So, zum Schluss noch Neuigkeiten zur Politik hier (danke Jelena für deinen Blog! Durch ihre Arbeit bekommt sie meistens mehr Insider mit als die anderen von uns):
seit einigen Wochen ist die Plaza Murillo (Regierungsplatz) wieder gesperrt, da es einen dritten TIPNIS-Marsch gegeben hat. Davon hab ich schon letztes Jahr berichtet (30.November). Der Konflikt ist also bis jetzt noch nicht gelöst und neben den ganzen Protesten seitens der Ärtze, Lehrer usw. scheint dieses Problem weitaus grösser zu sein. Es ist immer noch nicht geklärt, ob die Strasse durch den Nationalpark gebaut werden soll oder nicht.
Es ist schon krass, wie viel die Leute hier immer auf sich nehmen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Sie marschieren zu Fuss durch das halbe Land, vom warmen ins Kalte, um dann hier ihre Zelte aufzubauen und abzuwarten, dass ihr Handeln Wirkung zeigt.
Am 16.Juli ist "Dia de La Paz", also Tag von La Paz. Diese Gelegenheit wollen die Demonstranten anscheinend zu einem weiteren Aufruf nutzen. Für mehr Infos einfach mal bei Jelena im Blog schauen ;)
http://jelenaenbolivia.wordpress.com


Ansonsten bis bald :) Da ich morgen alt werde und am Montag Tag von La Paz ist, gibt es wahrscheinlich in Kürze einen neuen Eintrag.




wie ich sie vermissen werde :)

das Gestein vom Chacaltaya