22. August 2012

Die Zeit rennt

Heute ist mein vorletzter Tag in La Paz. Morgen fahren wir nach Santa Cruz aufs Endseminar und nächste Woche komm ich dann wieder.

Vor lauter Stress und Geniessen und Sachen erledigen und Verabschieden hab ich jetzt gar nicht mehr vom Salar de Uyuni erzählt, der grössten Salzwüste der Welt. Aber die Bilder sprechen für sich... Es war eine der schönsten Reisen bisher, auch wenn alles ein bisschen hektisch ist, da man die Touren in einem Jeep macht und an keinem Ort sehr lange bleiben kann. Wenn man morgens in Uyuni ankommt, fühlt man sich wie im deutschen Winter, es kühlt auf -15 bis -20 Grad ab, mittags kann man aber wieder im T-Shirt rumlaufen, naja, Bolivien eben.
Auf der 3-Tages-Tour geht es zuerst auf den Salar. Das lässt sich nicht beschreiben, das muss man gesehen haben! :) Danach geht es weiter zu verscheidenen Gesteinen und Lagunen, zu einer Thermalquelle, in der man sich unter freiem Himmel aufwärmen kann und man schläft in Hotels, die ganz aus Salz gebaut sind. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Das war mein letzter Urlaub, den Rest der Zeit wollte ich in La Paz verbringen. Ich und die anderen Freiwilligen sind ziemlich viel damit beschäftigt, nochmal alles zu essen, was hier so typisch ist :D Und nebenher muss das Bankkonto aufgelöst werden und man trifft sich mit verschiedenen Leuten, um sich zu verabschieden. Das ist der traurigste Teil in dieser Zeit. Im Chasqui war ich am Montag das letzte Mal. am Freitag gab es aber schon die erste Abschiedsfeier mit dem equipo, also ohne die Kinder. Yohana, mit der ich erst seit zwei Monaten arbeite, mich aber sehr gut verstehe, hat das ganze Essen organisiert, was ich so süss fand! Da sie wusste, dass Sopa de Maní (Erdnusssuppe) mein Lieblingsessen hier ist, hat sie alles eingekauft und mir gezeigt, wie man sie kocht. Ich war  echt grührt, dass sie alles organisiert hat bis hin zum Bescheid geben, dass alle kommen. Letztendlich waren fast alle da und jeder hat noch etwas zum Abschied gesagt. Da hätte ich es bevorzugt, dass nur die was sagen, die auch wollen, denn mit einigen hatte ich kaum was zu tun und die können sichs dann ja auch sparen ;) Andere meinten dann natürlich, ich solle wiederkommen, was ich auf jeden Fall versuchen werde, ich weiss nur noch nicht wann.
Es gab noch Geschenkeaustausch und Umarmungen und dann am Montag war die Verabschiedung von den Kindern. Ich dachte, da wein ich viel mehr, aber es war sooo stressig, dass ich fast nicht dazugekommen bin ;)
Ich hab Brezeln bestellt, um den Kindern mal was typisch Deutsches zu zeigen. Da die Lieferung aber zu spät kam, war ich zu spät im Chasqui, um mich von den Kindern von morgens zu verabschieden...Mit den anderen haben wir dann später in der Halle gespielt und zum Schluss durften mich alle noch etwas fragen. Danach sind die meisten Kinder heimgegangen, weil es schon so spät war und es sind noch ein paar Abschiedsbilder entstanden, wie z.B. das da unten :)
Als ich von meinem Projekt weggefahren bin, war ich gleichzeitig erleichtert und traurig. Erleichtert, weil ich nicht ganz zufrieden war mit meiner Arbeit, aber traurig wegen den Kindern und einigen anderen, die ich so ins Herz geschlossen habe.
Ich werde auch La Paz total vermissen, weil ich hier ein ganzes Jahr verbracht habe und mich die Stadt einfach immer wieder fasziniert (sowohl im Positiven als auch im Negativen). Deshalb hör ich jetzt auch auf zu schreiben, um noch meine letzte Zeit zu nutzen.




Zum Schluss noch ein DANKE
 an alle fürs Lesen hier. Ich hoff, es war spannend, informativ, nicht zu voreingenommen oder meinungsbildend usw.
Es gibt immer noch die Kommentarfunktion ;)
Also dann bis in einer Woche! Ich bin schon ganz aufgeregt :P

20. Juli 2012

Ich und La Paz werden ein Jahr älter

die tios kriegen auch n bisschen ab!
Mein Wochenende war ziemlich vollgepackt. Am Freitag hatte ich Geburtstag und ich hab mich schon lange darauf gefreut, diesen traditionell bolivanisch zu feiern.
in Mallasa
Als ich aber morgens in mein Projekt kam, wussten zwar alle Bescheid, aber niemand hat mir gratuliert, was ich ziemlich komisch fand. Später habe ich aber erfahren, dass das hier bei manchen Leuten normal ist, dass man nichts sagt. Eine Mitarbeiterin meinte, dass manche ihren Geburtstag nicht feiern, es wäre ein Tag wie jeder andere. Aber ICH mag Geburtstage eben ziemlich gerne und war dementsprechend beleidigt ;) Was im Chasqui aber dennoch immer gemacht wird: es gibt eine kleine Feier mit Torte. Das kannte ich schon von den anderen, hab es aber selbst als komisch empfunden, dass dann doch noch von allen Seiten Glückwünsche kommen. Aber dann gibt es widerum die schöne Seite an einem Geburtstag hier: jeder der möchte, sagt dir neben den "Typischen" Sachen ein paar nette Worte zu deiner Person. Ausserdem muss das "Geburtstagskind" am Anfang in die Torte beissen. Das bedeutet, wenn man gerade ansetzt, tunkt dich jemand mit dem halben (oder in meinem Fall mit dem ganzen) Gesicht in die Torte. Den zermatschten Teil der Torte bekommt man dann zum essen :D
Das Schöne an meinem Geburtstag war, dass nicht nur Mitarbeiter sondern auch einige Kinder dabei waren, von denen ich was bekommen habe.
Ich habe sogar ein "Habbi Bördei" gesungen bekommen und natürlich "Cumpleaños Feliz". Also am Ende war der Tag für mich dann doch noch gerettet. Abends waren wir noch feiern und am nächsten Tag war ich dementsprechend kaputt, hab den halben Tag im Bett verbracht und nen Kuchen gebacken.
Am Sonntag waren wir dann noch im Park von Mallasa picknicken.
Mallasa ist ein Dorf so 20 Minuten von La Paz entfernt und neben dem Park gibt es einen Zoo und Motocross. Abends ging es dann schon wieder weiter: der 16.Juli ist Tag von La Paz, dementsprechend wurde im Zentrum gefeiert, getanzt und getrunken. Da viele deshalb am nächsten Tag nen "Chaqui" (Kater) haben, wird das Feiern einfach mal vorverlegt und um 12 gibt es ein Feuerwerk.
Es war ein einziges Gedränge und Geschubse, vor allem in den Seitenstrassen. ich hab mich ein bisschen gefühlt wie auf einem Festival, nur die Musik war natürlich traditionell: es lief viel Cumbia und Reggaeton. Am ganzen Prado (der Hauptstrasse) entlang waren Essens- und Getränkestände aufgebaut. Die Typischsten davon: Anticucho, Rinderherz mit Kartoffeln (hört sich sehr fies an, aber ich hab mich letztendlich doch getraut, es zu probieren und es schmeckt echt gut), Hamburguesas, also Hamburger und Té con té, eine Mischung aus Singani, dem typischen bolivianischen Schnaps, Schwarztee, Honig/Zucker und eventuell Zitrone. Ist sehr lecker, ich mag das Getränk auf jeden Fall lieber als Glühwein. Normalerweise ist in Bolivien der Konsum alkoholhaltiger Getränke auf der aaaaStrasse ja verboten, umso mehr schienen die Paceños an dem Tag zu trinken... Um 12 gab es dann das Feuerwerk (die sind hier übrigens immer echt schön!) und die Hymne von La Paz wurde (mehr oder weniger lallend) gesungen.
Den Montag hab ich persönlich nicht mit Chaqui verbracht, sondern mit viiiel Essen beim Brunchen mit Freunden, Pizza essen bei Johannes mit den Chasquileuten und abends einem Film :)

Anticucho-Stand

12. Juli 2012

Chacaltaya und ein bisschen Politik

Der Illimani hat uns auf dem ganzen Weg begleitet
Ende Juni haben wir es geschafft, vor der Abreise der ersten Freiwilligengruppe noch was gemeinsam zu unternehmen. In einer Woche geht es für sie schon zum Abschlussseminar nach Santa Cruz und dann nach Hause. Das aendert fuer mich auch schon Einiges, weil Laura mich dann alleine in der Wohnung zurücklässt Auch wenn ich noch 1 1/2 Monate hier bleibe, ist schon ein bisschen die Aufbruchsstimmung da und die damit verbundenen Gedanken. Aber dazu ein andermal.
Zu 12. sind wir am Samstagmorgen in nem Minibus auf den Chacaltaya gefahren, ein 5000er (ist ja von 4000 auch nich mehr sooo weit weg :P) ca. eine Stunde von La Paz entfernt.
Im Hintergrund der Talkessel von La Paz

Es war traumhaft! Abgesehen von der Tatsache, dass vor einigen Jahren fast der ganze Berg noch voller Schnee war...
Man hat, auf dme Parkplatz angekommen, von Weitem die zwei Städte gesehen, wie El Alto ins Tal nach La Paz übergeht. Um uns herum war ein Panorama von Bergen und im Tal drei verschiedenfarbige Lagunen.

Auch wenn es teilweise ziemlich steil hochging, hat es sich wirklich gelohnt! Auch der Berg selbst sieht sehr interessant aus: übereinandergestapelte Platten aus Stein, die teilweise wie eine Art Bücherfriedhof aussehen. Zwischendurch sieht man noch vereinzelte Eisplatten. Dazu schaut man sich am besten die Fotos an, metaphorisch bin ich in der Hinsicht vermutlich nicht so begabt :D 
wie immer im Winter hier strahlend blauer Himmel ♥
Von dort oben merkt man einfach wieder, wie toll die Landschaft im Altiplano ist, auch wenn die Kälte ziemlich nervt. Ich schlafe mittlerweile sogar mit Wollmütze, weil die Fenster in meinem Zimmer anscheinend nicht ganz dicht sind...
Der Tag war echt schön mit allen zusammen und hat mich sehr glücklich gemacht :)

Mein Projekt hat mich insgesamt aber nicht so erfüllt, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich will nicht, dass es rüberkommt, als wäre das Chasqui kein gutes Projekt. Es besteht ja schon seit über zwanzig Jahren und es gibt einen Haufen Aktivitäten. Aber ich glaube, genau DARIN liegt das Problem. Eigene Ideen finden da schwer ihren Platz und fürs Mitwirken fehlt oft die Kommunikation. Was es mir trotzdem so schwer machen wird, von hier zu gehen, sind einfach die Sachen "drumrum", mein Leben hier. Mein Gedankenchaos dazu kriegt ihr aber erst ganz am Ende aufgetischt ;)

So, zum Schluss noch Neuigkeiten zur Politik hier (danke Jelena für deinen Blog! Durch ihre Arbeit bekommt sie meistens mehr Insider mit als die anderen von uns):
seit einigen Wochen ist die Plaza Murillo (Regierungsplatz) wieder gesperrt, da es einen dritten TIPNIS-Marsch gegeben hat. Davon hab ich schon letztes Jahr berichtet (30.November). Der Konflikt ist also bis jetzt noch nicht gelöst und neben den ganzen Protesten seitens der Ärtze, Lehrer usw. scheint dieses Problem weitaus grösser zu sein. Es ist immer noch nicht geklärt, ob die Strasse durch den Nationalpark gebaut werden soll oder nicht.
Es ist schon krass, wie viel die Leute hier immer auf sich nehmen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Sie marschieren zu Fuss durch das halbe Land, vom warmen ins Kalte, um dann hier ihre Zelte aufzubauen und abzuwarten, dass ihr Handeln Wirkung zeigt.
Am 16.Juli ist "Dia de La Paz", also Tag von La Paz. Diese Gelegenheit wollen die Demonstranten anscheinend zu einem weiteren Aufruf nutzen. Für mehr Infos einfach mal bei Jelena im Blog schauen ;)
http://jelenaenbolivia.wordpress.com


Ansonsten bis bald :) Da ich morgen alt werde und am Montag Tag von La Paz ist, gibt es wahrscheinlich in Kürze einen neuen Eintrag.




wie ich sie vermissen werde :)

das Gestein vom Chacaltaya

15. Juni 2012

La Paz - Santa Cruz: 15 Stunden Santa Cruz - La Paz: 26 Stunden

Ja, das geht. Leider...
Ich war die letzte Woche in Santa Cruz, der grössten Stadt Boliviens und so ziemlich am "anderen Ende", um dort mein einwöchiges Praktikum in einer anderen Organisation zu machen, das uns die giz ermöglicht.
Samstagabends ging es dann los und alles verlief problemlos. Ich hab die meiste Zeit geschlafen und als ich aufgewacht bin, war um mich herum plötzlich alles warm, grün und voller Palmen.




Danach ist mir was ziemlich Blödes passiert: ich bin vom Busterminal mit nem Taxi zu der Freiwilligen-WG gefahren und hab vor lauter Mit-dem-Fahrer-Tratschen und nebenher noch Leute-Anrufen meinen Rucksack im Kofferraum liegenlassen, als ich ausgestiegen bin. Der freundliche Taxifahrer fährt dann natürlich nichtsahnend los. Im Nachhinein muss ich echt darüber lachen, aber ich war echt verzweifelt, als ich dann irgendwann registriert hab, dass ich mein Gepäck hab liegenlassen :D. Also mit Irina, die mich abholen wollte, nochmal zurück zum Terminal gefahren, Geschichte den anderen Fahrern erzählt, Handynummer dagelassen und, endlich in der WG, unruhig gewartet. Gut, dass ich wie immer in ein registriertes Taxi gestiegen bin, so kam auch ziemlich bald der Anruf, dass der verdutzte Fahrer mitsamt meinem Gepäck wieder am Terminal ist. Glück gehabt....
Stau
Die Stadt allgeimein ist total anders als La Paz: nicht nur das tropische Klima auf 400 m, sondern die ganze Stadt ist in Ringen aufgebaut. Das Zentrum ist in der Mitte und nach aussen hin folgen dann die Ringe. Wenn man also mal falsch fährt, kommt man irgendwann doch noch an, wo man will, weil die Micros (Minis gibt es dort nicht) und Trufis immer ihre Runden drehen. Nach aussen hin wird die Stadt immer ärmer und den Aufbau hat sie wie auch der schnellen Zuwanderung der Leute vom Land zu verdanken, die auch La Paz und El Alto geprägt haben. Ich finde La Paz trotzdem viel schöner, auch wenn ich gerne ein anderes Kima hätte.
Mein Praktikum sollte ich bei "ARTErias Urbanas" machen, einem Künstlerkollektiv, dessen Ziel es ist, Kunst auf die Strasse zu bringen. D.h., sie jedem Menschen, ob arm oder reich, möglich zu machen. Manchmal gehen sie dafür in die barrios (die Randgebiete von SC) und bringen Materialien mit, um den Kindern dort die Chance zu geben, kreativ zu werden, wozu sie vorher selten Bezug haben.
Brückenbauen im Niemandsland
Ich war aber in der Woche der "Feria de libro" (Bücherbasar oder so) dort, einer einwöchigen Veranstaltung, bei der wir einen eigenen Stand hatten. Ausserdem gab es verschiedene Tanz-, Theater- und Musikaufführungen und eben jede Menge Bücher. Insgesamt hab ich in der Woche ziemlich viel gemalt, gezeichnet und mit Ton gearbeitet. War also für mich eher wie Freizeit.
Am Samstag darauf hab ich dann mit Vera und Mira, zwei Freiwilligen aus SC, das EM-Spiel geschaut und wir waren abends noch was trinken. Da dachte ich mir, versuch ich doch mal den Fernet, ein typisch bolivianischer Longdrink. Dass es ähnlich wie Jägi schmecken sollte, hat mich zwar leicht abgeschreckt, versucht hab ichs aber trotzdem. Das Getränk war dann auch gar nicht so schlecht, aber mir danach schon!
trotz schlechter Kamera...
Am nächsten Tag war dann noch die Abschlussfeier der feria in der "Werkstatt" von Arterias Urbanas. Es gab sehr leckeres Essen und Trinken und Künstler aus aller Welt und letztendlich bin ich dort bis 5 Uhr geblieben. Am meisten bewundert hab ich aber nen Franzosen, der einfach so gut Geige spielen konnte! Der schleppt sie einfach überall mit hin (dementsprechend sieht sie auch aus...) und spielt drauf los. Und wie gleich. Da war ich dann schon n bisschen neidisch.
Mit dem Wetter hatte ich die Woche nicht so viel Glück, aber ein paar mal kam dann doch die Sonne raus.
Um die noch ein bisschen zu geniessen, bin ich bis Dienstag geblieben und sollte dann Mittwochmittag wieder in La Paz sein.
Ja, schade, irgendwer meinte mal wieder, streiken zu müssen und dadurch die Übergangsstrasse zu versperren. Also standen wir erstmal an die vier Stunden in einer riesen Schlange, bis der Busfahrer dann irgendwann beschlossen hat, doch einen anderen Weg zu nehmen.
Da war aber nichts mit Strassen, sondern unser Fahrer und einige andere Busse haben sich einen Weg durch die Pampa gesucht. Abgesehen von starken Absenkungen auf den Wegen, die der Bus kaum überqueren konnte, kam uns dann noch ein Fluss in die Quere: also alle ausgestiegen und gewartet, bis ein Übergang aus Steinen gebaut war (echte Teamarbeit :D) und dann weiter. Das ging aber noch ein zweites Mal so und nach 22 Stunden hat es Einigen von uns echt gereicht und wir sind mit einem Jeep, der zur rechten Zeit am rechten Ort war, zurück nach La Paz gefahren.
Es war arschkalt! Vier Personen hinten auf der Ladefläche, drei Decken, Sonnenuntergang und damit Kälte und Wind. Altiplano-Wetter für ganze drei Stunden.
Danach bin ich total fertig und ausgetrocknet (gut, wenn man nen 1/2 Liter Wasser dabeihat) nur noch ins Bett gefallen und hab am nächsten Tag mein Gepäck am Terminal abgeholt. Wann der Bus letztendlich ankam, konnte mir leider niemand sagen.
Es war insgesamt zwar keine angenehme Rückfahrt, aber solche Abenteuer vergisst man nie!

31. Mai 2012

3/4

So richtig viel hab ich eigentlich nicht zu erzählen, aber ich hab gemerkt, dass meine Blogging-Aktivität ein bisschen nachlässt...
Das mag vielleicht daran liegen, dass ich zu meiner aktuellen Arbeit nichts Genaues bzw. Spannendes sagen kann.
Die Wand anzumalen aht auch endlich geklappt
Bei der Hausaufgabenhilfe helfe ich jetzt fast gar nicht mehr und der Geigenunterricht ist leider auch untergegangen, aber mit ein bisschen Nachhaken hab ich jetzt neue Arbeit gefunden.
Unser Schwimmkurs endet auch demnächst, was ein bisschen schade ist. Wir sind gerade an dem Punkt, an dem einige Kinder schon die richtigen Bewegungen draufhaben, müssen aber wegen mangelnder Finanzierung wahrscheinlich aufhören.
Mein Kunstkurs funktioniert mal mehr und mal weniger, aber mittlerweile arbeite ich wieder bei der Kommunikation mit. Dort hat sich Einiges geändert und neben dem Radio, für das die Leute dort bisher zuständig waren, werden jetzt "Infostunden" in den Schulen gegeben. Bei der Vorbereitung und Durchführung dafür helfe ich jetzt zwei Tage die Woche mit. Das erste Mal dorthin zu fahren war schon krass, weil die Gegend noch karger aussieht als El Alto sonst. Keine asphaltierten Strassen und kaum Zivilisation, dafür hat man einen sehr guten Blick auf den Rest der Stadt.


Jetzt sind es nur noch drei Monate, die mir bleiben und es ist schwer zu beschreiben, wie man sich da fühlt.
Worauf ich mich neben Freunden und Familie auf jeden Fall freue, ist Deutschland mit seiner Ordnung (im Verkehr und bei der Organisation), das Klima und die saubere Luft dort und vor allem die Zuverlässigkeit. Ohoh, ich bin ja voll am Verallgemeinern grade, das soll man doch nicht ;) aber bei Verabredungen geht in La Paz schon öfter mal was schief und die schwarzen Auspuffwolken sind nicht zu übersehen.
Ein schönes leider unscharfes Bild vom schönen Illimani ;)
Andererseits merke ich gerade, wie sich hier mein Leben richtig aufbaut. Das braucht eben seine Zeit und gerade fangen die Dinge an, die ich neben der jeden Tag aufs neue gelebten Traditionen hier sicher vermissen werde. Und ich werde so langsam ein bisschen panisch, dass ich nicht mehr alles auf die Reihe kriege, was ich noch tun wollte :D Das ist ein echt mieses Gefühl.
Auf jeden Fall werde ich ab Samtag für zwei Wochen in Santa Cruz sein für die Praktikumswoche, die uns die giz ermöglicht. Santa Cruz liegt auf der anderen Seite Boliviens und so ziemlich auf Meereshöhe, ist die grösste Stadt des Landes und hat anscheinend ein noch grösseres Verkehrschaos als La Paz und El Alto (geht das??). Dass man von hier aus 17 Stunden mit dem Bus braucht, macht mir gar nichts mehr aus, das wird irgendwann normal... Das Praktikum mache ich bei "Arterias Urbanas", einem Kunstprojekt, wo andere Freiwillige arbeiten. Und da ich ein bisschen aus dem Alltag rausmuss und was von der Wärme dort haben will, hänge ich noch ein paar Urlaubstage dran :)