23. März 2012

Bloqueos, streiks, verstopfte Strassen...

Heute am 23.Maerz ist hier "dia del mar". Die Bolivianer scheinen es einfach nicht zu verkraften, dass sie seit ueber 100 Jahren aufgrund des Pazifikkrieges kein Meer mehr haben. Deshalb war gestern der Prado, die "Hauptstrasse" von La Paz, wieder blockiert und in El Alto wurden heute ein paar Umwege gefahren, um ueberhaupt zur Arbeit zu kommen.
Die ganze Woche sah es nicht anders aus, jedoch aus einem anderen Grund: in El Alto soll der Fahrtpreis von 1 Boliviano auf 1,50 steigen, weswegen Einige ziemlich veraergert sind. Bis jetzt ging es doch auch so. Auf Seiten der Fahrer kann ich die Begruendung verstehen, dass oft ja auch noch die Helfer bezahlt werden muessen, also die Leute, die die Tueren auf- und zumachen und Zielorte ausrufen. Aber auch fuer die Menschen, die jeden Tag zum Markt fahren, um ihr Gemuese zu verkaufen, wuerde dadurch mehr Geld draufgehen als sonst und auf Dauer nicht wenig. Gestern war Generalstreik deswegen und auf den Strassen ging absolut gar nichts. Was jetzt dabei rausgekommen ist, weiss ich selbst noch nicht, aber heute hab ich 1 Boliviano zur Arbeit gezahlt, was vielleicht bedeutet, dass alles beim Alten bleibt...

Nebenbei noch was anderes: die Diebe aus El Alto befinden sich mittlerweile im Gefaengnis, waehrend mit den Brandstiftern aus El Alto, die die Haeuser der Diebe angezuendet haben, gar nichts passiert. Die Selbstjustiz hier ist schon krass und anscheinend kann man sie sich auch erlauben, wenn man fuer versuchten Mord nichtmal bestraft wird.

Das wird jetzt erstmal die letzte Nachricht fuer die naechsten Wochen sein, am Sonntag kommt naemlich mein Papa und dann geht es erstmal auf Reisen.

8. März 2012

Reisestress und brennende Häuser

 Zuerst mal: Bilder folgen - Batterien haben mal wieder nicht funktioniert - ich hab also keine Bilder, sondern muss warten, bis ich die der Anderen bekomme


Ich hab es nun endlich auch mal geschafft, an den Titicacasee zu fahren. Seit etwa einer Woche arbeiten im Chasqui zwei Schweden für einen Monat, die uns gefragt haben, ob wir mitkommen. Eigentlich hatte ich mal wieder Lust auf ein Wochenende La Paz Nachtleben, aber - ganz ehrlich - die Wochenenden muss man nutzen, um das Land anzuschauen. Vor allem, wenn, wie bei mir, schon mehr als die Hälfte des Jahres vorbei ist.
Also gings am Freitagbabend los nach Copacabana, eine ziemlich kleine aber vergleichsweise teure Stadt am See und von da aus weiter zur Isla del Sol (Sonneninsel). Der Lago sieht wirklich aus wie ein Meer, da er so gross ist (der grösste Südamerikas und höchstgelegendste beschiffbare der Welt) und ich hab auch noch nie so blaues Wasser gesehen, so blöd sich das jetzt anhört. Aber es war wirklich ein Traum, auch die Isla. Den Samstag haben wir ein bisschen die Insel erkundet. So viel laufen und wandern wie in diesem Jahr werd ich  wahrscheinlich nie wieder :P Ich freu mich auch schon wieder auf mein Fahrrad (abgesehen vom Auto). In der Nähe, wo die Boote anlegen, ist alles sehr touristisch aufgebaut: es gibt viele Hotels und tiendas, Cholitas verkaufen schön bestickte Tücher und Pringels für mehr als zwei Euro. Wir sind nicht die offizielle Route Richtung Norden gelaufen, sondern zu "den Ruinen", einer meiner Meinung nach etwas unspektakulären Ansammlung  zerfallener Wände und danach an einen richtig schönen abgelegenen Strand ohne Menschen, eingerahmt von ein paar Felsen. So, wie man sich eben einen Traumstrand vorstellt. Das Wetter war bis dahin voll auf unserer Seite, sodass wir auch kurz im Wasser waren. War aber dann doch zu kalt...  Ansonsten gab es neben einigen Lamas und Alpakas auch sehr viele Esel auf der Insel. :D
Die Landschaft war auch sehr schön und (fast) müllfrei, ausser auf unserem Kletterrückweg durch die Pampa, wo sich dann doch die ein oder andere Plastikflasche verirrt hat. Ist aber in Deutschland nicht anders. Abends haben wir uns noch mit einem 10-jährigen  Mädchen unterhalten, das in einer tienda verkauft hat. Sie hat uns dann erzählt, dass ihre Eltern in Chile seien und sie den Laden alleine schmeisst. Unüblich ist das hier leider nicht und auch wenn ich täglich damit konfrontiert werde, tut mir das immer noch sehr leid, dass die Kinder ihre Kindheit oft nicht richtig leben können.
Nach einem gemütlichen Weinabend mit Blick auf den See ging es am nächsten Morgen wieder zurück, da wir einfach alle zu müde waren, noch zur Isla de la Luna (Mondinsel) zu fahren. Ausserdem hab ich wirklich in meinem ganzen Leben noch nie so gefroren wie in dieser Nacht - in El Alto war das mit Wärmflasche und drei dicken Decken auch immer kein Problem. Naja, Hauptsache die Woche vorher noch gross rumposaunt, dass man sich nie erkältet , schon läuft man mit Rotznase durch die Gegend...
Im Chasqui habe ich gerade erstaunlich viel zu tun. Die verschiedenen Projekte kommen anscheinend doch irgendwie ins Rollen. Unser Schwimmkurs findet jetzt sicher ab Freitag statt, aber damit hing auch Einiges zusammen: erstens wusste unsere Chefin nicht Bescheid, weil uns als Freiwilligen nie ganz klar war, was man denn jetzt mit ihr absprechen muss oder nur mit dem Tutor, aber das ist mittlerweile geklärt.  Damit hing zusammen, dass die Eltern noch einen offiziellen Vertrag unterschreiben mussten und herausgefunden werden musste, ob die jeweiligen Kinder in der educacion unseres Projektes eingeschrieben sind oder nicht. Das ist Pflicht, da sich sonst alle Kinder nur bei den "coolen Projekten" melden würden, aber keine (Haus)Aufgabenhilfe wollen würden. Das Dumme war, dass wir nur für  15 Kinder Geld haben und auch nicht für mehr Verantwortung übernehmen wollen. Und umsonst schwimmen lernen würden sehr viele gern. Jetzt ist aber alles geregelt und am Freitag kann es endlich losgehen - mit Erkältung, na danke!

Gestern, als ich in der Nähe vom Chasqui auf einen Minibus gewartet habe, kamen plötzlich von allen Seiten Menschen angelaufen.Die Frau von der tienda an der Ecke erzählte mir dann, dass in der ganzen Gegend verschiedene Häuser angezündet wurden, in denen Diebe wohnen. In einem meiner ersten Posts habe ich von den Puppen an den Strassenlaternen erzählt, die an erhängte Menschen erinnern und eine Warnung für Diebe darstellen sollen - jetzt habe ich also erfahren, was mit den Personen passiert, die klauen... Soweit ich erfahren habe, ist aber glücklicherweise niemand gestorben.
Einen Tag vorher war übrigens Tag von El Alto, 27.Jubiläum der Stadtgründung.
"El Alto - nunca de rodillas, siempre de pie!" Soll bedeuten, dass El Alto niemals auf die Knie geht und ich perönlich finde es schon erstaunlich, wie die Menschen hier sich ihre Strassen und Häuser, ihre Verwaltungen und Vertretungen alle selbst gebaut und gegründet haben. Das zeugt von Kooperation und Durchhaltevermögen, was die Menschen hier wirklich haben. Wie ganz Bolivien ist die Stadt aber immer noch in Entwicklung.