15. Juni 2012

La Paz - Santa Cruz: 15 Stunden Santa Cruz - La Paz: 26 Stunden

Ja, das geht. Leider...
Ich war die letzte Woche in Santa Cruz, der grössten Stadt Boliviens und so ziemlich am "anderen Ende", um dort mein einwöchiges Praktikum in einer anderen Organisation zu machen, das uns die giz ermöglicht.
Samstagabends ging es dann los und alles verlief problemlos. Ich hab die meiste Zeit geschlafen und als ich aufgewacht bin, war um mich herum plötzlich alles warm, grün und voller Palmen.




Danach ist mir was ziemlich Blödes passiert: ich bin vom Busterminal mit nem Taxi zu der Freiwilligen-WG gefahren und hab vor lauter Mit-dem-Fahrer-Tratschen und nebenher noch Leute-Anrufen meinen Rucksack im Kofferraum liegenlassen, als ich ausgestiegen bin. Der freundliche Taxifahrer fährt dann natürlich nichtsahnend los. Im Nachhinein muss ich echt darüber lachen, aber ich war echt verzweifelt, als ich dann irgendwann registriert hab, dass ich mein Gepäck hab liegenlassen :D. Also mit Irina, die mich abholen wollte, nochmal zurück zum Terminal gefahren, Geschichte den anderen Fahrern erzählt, Handynummer dagelassen und, endlich in der WG, unruhig gewartet. Gut, dass ich wie immer in ein registriertes Taxi gestiegen bin, so kam auch ziemlich bald der Anruf, dass der verdutzte Fahrer mitsamt meinem Gepäck wieder am Terminal ist. Glück gehabt....
Stau
Die Stadt allgeimein ist total anders als La Paz: nicht nur das tropische Klima auf 400 m, sondern die ganze Stadt ist in Ringen aufgebaut. Das Zentrum ist in der Mitte und nach aussen hin folgen dann die Ringe. Wenn man also mal falsch fährt, kommt man irgendwann doch noch an, wo man will, weil die Micros (Minis gibt es dort nicht) und Trufis immer ihre Runden drehen. Nach aussen hin wird die Stadt immer ärmer und den Aufbau hat sie wie auch der schnellen Zuwanderung der Leute vom Land zu verdanken, die auch La Paz und El Alto geprägt haben. Ich finde La Paz trotzdem viel schöner, auch wenn ich gerne ein anderes Kima hätte.
Mein Praktikum sollte ich bei "ARTErias Urbanas" machen, einem Künstlerkollektiv, dessen Ziel es ist, Kunst auf die Strasse zu bringen. D.h., sie jedem Menschen, ob arm oder reich, möglich zu machen. Manchmal gehen sie dafür in die barrios (die Randgebiete von SC) und bringen Materialien mit, um den Kindern dort die Chance zu geben, kreativ zu werden, wozu sie vorher selten Bezug haben.
Brückenbauen im Niemandsland
Ich war aber in der Woche der "Feria de libro" (Bücherbasar oder so) dort, einer einwöchigen Veranstaltung, bei der wir einen eigenen Stand hatten. Ausserdem gab es verschiedene Tanz-, Theater- und Musikaufführungen und eben jede Menge Bücher. Insgesamt hab ich in der Woche ziemlich viel gemalt, gezeichnet und mit Ton gearbeitet. War also für mich eher wie Freizeit.
Am Samstag darauf hab ich dann mit Vera und Mira, zwei Freiwilligen aus SC, das EM-Spiel geschaut und wir waren abends noch was trinken. Da dachte ich mir, versuch ich doch mal den Fernet, ein typisch bolivianischer Longdrink. Dass es ähnlich wie Jägi schmecken sollte, hat mich zwar leicht abgeschreckt, versucht hab ichs aber trotzdem. Das Getränk war dann auch gar nicht so schlecht, aber mir danach schon!
trotz schlechter Kamera...
Am nächsten Tag war dann noch die Abschlussfeier der feria in der "Werkstatt" von Arterias Urbanas. Es gab sehr leckeres Essen und Trinken und Künstler aus aller Welt und letztendlich bin ich dort bis 5 Uhr geblieben. Am meisten bewundert hab ich aber nen Franzosen, der einfach so gut Geige spielen konnte! Der schleppt sie einfach überall mit hin (dementsprechend sieht sie auch aus...) und spielt drauf los. Und wie gleich. Da war ich dann schon n bisschen neidisch.
Mit dem Wetter hatte ich die Woche nicht so viel Glück, aber ein paar mal kam dann doch die Sonne raus.
Um die noch ein bisschen zu geniessen, bin ich bis Dienstag geblieben und sollte dann Mittwochmittag wieder in La Paz sein.
Ja, schade, irgendwer meinte mal wieder, streiken zu müssen und dadurch die Übergangsstrasse zu versperren. Also standen wir erstmal an die vier Stunden in einer riesen Schlange, bis der Busfahrer dann irgendwann beschlossen hat, doch einen anderen Weg zu nehmen.
Da war aber nichts mit Strassen, sondern unser Fahrer und einige andere Busse haben sich einen Weg durch die Pampa gesucht. Abgesehen von starken Absenkungen auf den Wegen, die der Bus kaum überqueren konnte, kam uns dann noch ein Fluss in die Quere: also alle ausgestiegen und gewartet, bis ein Übergang aus Steinen gebaut war (echte Teamarbeit :D) und dann weiter. Das ging aber noch ein zweites Mal so und nach 22 Stunden hat es Einigen von uns echt gereicht und wir sind mit einem Jeep, der zur rechten Zeit am rechten Ort war, zurück nach La Paz gefahren.
Es war arschkalt! Vier Personen hinten auf der Ladefläche, drei Decken, Sonnenuntergang und damit Kälte und Wind. Altiplano-Wetter für ganze drei Stunden.
Danach bin ich total fertig und ausgetrocknet (gut, wenn man nen 1/2 Liter Wasser dabeihat) nur noch ins Bett gefallen und hab am nächsten Tag mein Gepäck am Terminal abgeholt. Wann der Bus letztendlich ankam, konnte mir leider niemand sagen.
Es war insgesamt zwar keine angenehme Rückfahrt, aber solche Abenteuer vergisst man nie!