... und sie laesst mich immer wieder merken, dass ich in Bolivien bin. Bolivien, das Land der Veraenderung, der Demos, Aufstaende und der Menschen, die immer einen Grund finden zu streiken. Vor allem in La Paz, der Regierungsstadt. Gerade die letzten Wochen war es wieder extrem, heute geht ueberhaupt gar nichts auf den Strassen. Normalerweise gibt es immer einen Weg nach El Alto und zur Arbeit, aber heute? Nichts. Vereinzelte Motorraeder und private Autos und dadurch auch eine Ruhe, die es in dieser Stadt sonst kaum gibt. Die Zugaenge zur Plaza Murillo, wo das Regierungsgebaeude steht, wie so oft von Absperrungen und unendlich vielen Polizisten versperrt.
Durch die Ruhe vergisst man leicht, dass es auch gefaehrlich sein koennte. Von unserer Tutorin der giz bekamen wir heute die Nachricht, morgen zur Sicherheit auch Zuhause zu bleiben. Schoen, einen Tag mehr frei, die Sonne geniessen, durch La Paz laufen und die Dinge erledigen, fuer die man sonst nie Zeit findet (am Wochenende wird ja immer der halbe Tag verschlafen...).
Ich werde mich noch ein bisschen bei den Leuten hier durchfragen, was
denn wer eigentlich genau will und ob es ueberhaupt einen Sinn hat,
schon wieder zu streiken. Da das ja schon fast Alltag hier ist, frage
ich mich, ob Evo ueberhaupt noch richtig Notiz davon nimmt.Aber seine Gedanken zu den vielen Streiks hier muss man sich schon machen. Es laeuft eben immer noch nicht alles so, wie es soll: vor zwei Monaten haben die Behinderten gestreikt, dann irgendwann die Lehrer, danach die Aerzte, die mehr Absicherungen fuer mehr Arbeit wollen und jetzt zum zweiten Mal die Minibus-Fahrer. Es gibt IMMER etwas, wofuer es sich zu streiken lohnt. Und damit auch jaaa niemand zu seiner Arbeit kommt, verlegen die mineros (die Mienenarbeiter) ihren Streik auf Mittwoch. Das soll bis Freitag gehen. Man sieht, in dieser Stadt bleibt es immer spannend. ;)
Da ich in meiner Arbeit aber sowieso mal wieder Probleme habe, einige Projekte durchzusetzen (ich weiss nicht, wie oft ich Muelleimer zum Muelltrennen aufgestellt und mit Zetteln beklebt habe, Plakate geschrieben und alles erklaert, ohne Erfolg), kommen mir die freien Tage eigentlich ganz recht.
Ich bin zur Zeit wieder etwas frustriert mit meiner Arbeit. Was regelmaessig laeuft, ist unser Schwimmkurs. Das ist aber leider auch das Einzige...Woran das alles scheitert, kann ich bei Bedarf noch weiter erlaeutern, ich will euch aber jetzt nicht damit langweilen.
Soo, was gibt es sonst noch so nebenbei zu erzaehlen?
1.Aufgrund der vielen Freizeit, die ich gerade geniesse, habe ich es endlich mal zum ausgiebigen Shoppen in die
Sagarnaga geschafft. Das ist die Touristrasse schlechthin. Es gibt alles von Klamotten ueber Tassen, Instrumente, Figuren aus Stein, Spiele, Notizbuecher usw... Da ist man schnell mal soviel Geld los wie sonst in einem Monat :D
2. Der aktuelle Ohrwurm zurzeit:
http://www.youtube.com/watch?v=8y5CbeHY7X0
3. Es wurde zum ersten Mal in der Ceja versucht, mich zu beklauen. Schon erstaunlich, nach neun Monaten. Mir soll es recht sein, vor allem waren sie erfolglos. Aber falls man hierher kommt, sollte man wirklich den altbekannten Trick der Diebe kennen, den ich auch schon relativ am Anfang erwaehnt habe: sie bewerfen einen mit irgendwas, tun dann ganz besorgt und haben - schwupps - deine Tasche auf und irgendwas daraus geklaut. Bei mir haben sies relativ harmlos mit Wasser auf meiner Schulter versucht, dann wurde von zwei Seiten ziemlich verwirrend auf mich eingeredet und ich habs natuerlich gleich kapiert :P und hab "No!"gerufen (was Besseres ist mir da irgendwie nicht eingefallen...) Die Zwei haben sich dann entfernt, als waere nichts gewesen und meine Jackentasche war offen. Ich hab aber alles Wichtige von Anfang an in einem kleinen Taeschchen unter der Jacke verstaut und die Routine hat sich letztendlich gelohnt.
Das Dumme ist, nur ein paar Tage spaeter in der
Zona Sur ist ploetzlich meine geliebte Lederjacke verschwunden. Das ist WIRKLICH dumm, denn erstens war ich ungefaehr 10 Meter auf der Strasse unterwegs und nur in der Cooperacion Alemana zum Monatstreffen der Freiwilligen und der in der Deutschen Baeckerei. Zweitens war ich in der Zona Sur, dem Reichenviertel. Und drittens ist es einfach mies, wenn man sich nicht erklaeren kann, wann und wo die Jacke denn letztendlich verschwunden ist. Aber es gibt ja noch die geliebte
Feria 16 de Julio, den groessten Flohmarkt der Welt.
Nur bin ich leider auch mein Pfefferspray los, das in der Jackentasche war und mit dem ich mich abends wirklich sicherer gefuehlt habe auf der Strasse...
4. Ich hab es geschafft, hier auf ein Hardcore-Konzert und auf ne Drum n Bass Party zu gehen, das hat mich sehr gluecklich gemacht :)
Das wars von mir zu euch, ich chill dann mal weiter hier rum!