31. Mai 2012

3/4

So richtig viel hab ich eigentlich nicht zu erzählen, aber ich hab gemerkt, dass meine Blogging-Aktivität ein bisschen nachlässt...
Das mag vielleicht daran liegen, dass ich zu meiner aktuellen Arbeit nichts Genaues bzw. Spannendes sagen kann.
Die Wand anzumalen aht auch endlich geklappt
Bei der Hausaufgabenhilfe helfe ich jetzt fast gar nicht mehr und der Geigenunterricht ist leider auch untergegangen, aber mit ein bisschen Nachhaken hab ich jetzt neue Arbeit gefunden.
Unser Schwimmkurs endet auch demnächst, was ein bisschen schade ist. Wir sind gerade an dem Punkt, an dem einige Kinder schon die richtigen Bewegungen draufhaben, müssen aber wegen mangelnder Finanzierung wahrscheinlich aufhören.
Mein Kunstkurs funktioniert mal mehr und mal weniger, aber mittlerweile arbeite ich wieder bei der Kommunikation mit. Dort hat sich Einiges geändert und neben dem Radio, für das die Leute dort bisher zuständig waren, werden jetzt "Infostunden" in den Schulen gegeben. Bei der Vorbereitung und Durchführung dafür helfe ich jetzt zwei Tage die Woche mit. Das erste Mal dorthin zu fahren war schon krass, weil die Gegend noch karger aussieht als El Alto sonst. Keine asphaltierten Strassen und kaum Zivilisation, dafür hat man einen sehr guten Blick auf den Rest der Stadt.


Jetzt sind es nur noch drei Monate, die mir bleiben und es ist schwer zu beschreiben, wie man sich da fühlt.
Worauf ich mich neben Freunden und Familie auf jeden Fall freue, ist Deutschland mit seiner Ordnung (im Verkehr und bei der Organisation), das Klima und die saubere Luft dort und vor allem die Zuverlässigkeit. Ohoh, ich bin ja voll am Verallgemeinern grade, das soll man doch nicht ;) aber bei Verabredungen geht in La Paz schon öfter mal was schief und die schwarzen Auspuffwolken sind nicht zu übersehen.
Ein schönes leider unscharfes Bild vom schönen Illimani ;)
Andererseits merke ich gerade, wie sich hier mein Leben richtig aufbaut. Das braucht eben seine Zeit und gerade fangen die Dinge an, die ich neben der jeden Tag aufs neue gelebten Traditionen hier sicher vermissen werde. Und ich werde so langsam ein bisschen panisch, dass ich nicht mehr alles auf die Reihe kriege, was ich noch tun wollte :D Das ist ein echt mieses Gefühl.
Auf jeden Fall werde ich ab Samtag für zwei Wochen in Santa Cruz sein für die Praktikumswoche, die uns die giz ermöglicht. Santa Cruz liegt auf der anderen Seite Boliviens und so ziemlich auf Meereshöhe, ist die grösste Stadt des Landes und hat anscheinend ein noch grösseres Verkehrschaos als La Paz und El Alto (geht das??). Dass man von hier aus 17 Stunden mit dem Bus braucht, macht mir gar nichts mehr aus, das wird irgendwann normal... Das Praktikum mache ich bei "Arterias Urbanas", einem Kunstprojekt, wo andere Freiwillige arbeiten. Und da ich ein bisschen aus dem Alltag rausmuss und was von der Wärme dort haben will, hänge ich noch ein paar Urlaubstage dran :)

8. Mai 2012

La Paz, meine Stadt

... und sie laesst mich immer wieder merken, dass ich in Bolivien bin. Bolivien, das Land der Veraenderung, der Demos, Aufstaende und  der Menschen, die immer einen Grund finden zu streiken. Vor allem in La Paz, der Regierungsstadt. Gerade die letzten Wochen war es wieder extrem, heute geht ueberhaupt gar nichts auf den Strassen. Normalerweise gibt es immer einen Weg nach El Alto und zur Arbeit, aber heute? Nichts. Vereinzelte Motorraeder und private Autos und dadurch auch eine Ruhe, die es in dieser Stadt sonst kaum gibt. Die Zugaenge zur Plaza Murillo, wo das Regierungsgebaeude steht, wie so oft von Absperrungen und unendlich vielen Polizisten versperrt.
Durch die Ruhe vergisst man leicht, dass es auch gefaehrlich sein koennte. Von unserer Tutorin der giz bekamen wir heute die Nachricht, morgen zur Sicherheit auch Zuhause zu bleiben. Schoen, einen Tag mehr frei, die Sonne geniessen, durch La Paz laufen und die Dinge erledigen, fuer die man sonst nie Zeit findet (am Wochenende wird ja immer der halbe Tag verschlafen...).
Ich werde mich noch ein bisschen bei den Leuten hier durchfragen, was denn wer eigentlich genau will und ob es ueberhaupt einen Sinn hat, schon wieder zu streiken. Da das ja schon fast Alltag hier ist, frage ich mich, ob Evo ueberhaupt noch richtig Notiz davon nimmt.Aber seine Gedanken zu den vielen Streiks hier muss man sich schon machen. Es laeuft eben immer noch nicht alles so, wie es soll: vor zwei Monaten haben die Behinderten gestreikt, dann irgendwann die Lehrer, danach die Aerzte, die mehr Absicherungen fuer mehr Arbeit wollen und jetzt zum zweiten Mal die Minibus-Fahrer. Es gibt IMMER etwas, wofuer es sich zu streiken lohnt. Und damit auch jaaa niemand zu seiner Arbeit kommt, verlegen die mineros (die Mienenarbeiter) ihren Streik auf Mittwoch. Das soll bis Freitag gehen. Man sieht, in dieser Stadt bleibt es immer spannend. ;)
Da ich in meiner Arbeit aber sowieso mal wieder Probleme habe, einige Projekte durchzusetzen (ich weiss nicht, wie oft ich Muelleimer zum Muelltrennen aufgestellt und mit Zetteln beklebt habe, Plakate geschrieben und alles erklaert, ohne Erfolg), kommen mir die freien Tage eigentlich ganz recht.
Ich bin zur Zeit wieder etwas frustriert mit meiner Arbeit. Was regelmaessig laeuft, ist unser Schwimmkurs. Das ist aber leider auch das Einzige...Woran das alles scheitert, kann ich bei Bedarf noch weiter erlaeutern, ich will euch aber jetzt nicht damit langweilen.
Soo, was gibt es sonst noch so nebenbei zu erzaehlen?
1.Aufgrund der vielen Freizeit, die ich gerade geniesse, habe ich es endlich mal zum ausgiebigen Shoppen in die Sagarnaga geschafft. Das ist die Touristrasse schlechthin. Es gibt alles von Klamotten ueber Tassen, Instrumente, Figuren aus Stein, Spiele, Notizbuecher usw... Da ist man schnell mal soviel Geld los wie sonst in einem Monat :D
2. Der aktuelle Ohrwurm zurzeit:
http://www.youtube.com/watch?v=8y5CbeHY7X0
3. Es wurde zum ersten Mal in der Ceja versucht, mich zu beklauen. Schon erstaunlich, nach neun Monaten. Mir soll es recht sein, vor allem waren sie erfolglos. Aber falls man hierher kommt, sollte man wirklich den altbekannten Trick der Diebe kennen, den ich auch schon relativ am Anfang erwaehnt habe: sie bewerfen einen mit irgendwas, tun dann ganz besorgt und haben - schwupps - deine Tasche auf und irgendwas daraus geklaut. Bei mir haben sies relativ harmlos mit Wasser auf meiner Schulter versucht, dann wurde von zwei Seiten ziemlich verwirrend auf mich eingeredet und ich habs natuerlich gleich kapiert :P und hab "No!"gerufen (was Besseres ist mir da irgendwie nicht eingefallen...) Die Zwei haben sich dann entfernt, als waere nichts gewesen und meine Jackentasche war offen. Ich hab aber alles Wichtige von Anfang an in einem kleinen Taeschchen unter der Jacke verstaut und die Routine hat sich letztendlich gelohnt.
Das Dumme ist, nur ein paar Tage spaeter in der Zona Sur ist ploetzlich meine geliebte Lederjacke verschwunden. Das ist WIRKLICH dumm, denn erstens war ich ungefaehr 10 Meter auf der Strasse unterwegs und nur in der Cooperacion Alemana zum Monatstreffen der Freiwilligen und der in der Deutschen Baeckerei. Zweitens war ich in der Zona Sur, dem Reichenviertel. Und drittens ist es einfach mies, wenn man sich nicht erklaeren kann, wann und wo die Jacke denn letztendlich verschwunden ist. Aber es gibt ja noch die geliebte Feria 16 de Julio, den groessten Flohmarkt der Welt.
Nur bin ich leider auch mein Pfefferspray los, das in der Jackentasche war und mit dem ich mich abends wirklich sicherer gefuehlt habe auf der Strasse...
4. Ich hab es geschafft, hier auf ein Hardcore-Konzert und auf ne Drum n Bass Party zu gehen, das hat mich sehr gluecklich gemacht :)
Das wars von mir zu euch, ich chill dann mal weiter hier rum!