Da ich sonst 3 Stunden brauch, schreib ich jetzt erstmal ueber meine ersten Eindruecke von der Stadt, in der ich wohne und arbeite. Vom Chasqui, meinem Projekt, kommt demnaechst auch was, aber meine Arbeit dort muss sowieso noch n bisschen Struktur annehmen ;).
El Alto ist ganz bestimmt keine Stadt fuers Auge, hat aber einige Besonderheiten: sie ist eine der hoechtsgelegenen Staedte der Welt in ca. 4000 m Hoehe in den Anden und ausserdem sehr jung. Seit 1988 gilt sie als eigenstaendige Stadt und hat heute um die 1 Million Einwohner (das weiss niemand so ganz genau).Besonders an den Menschen hier ist der hohe Anteil der indigenen Bevoelkerung, die meisten koennen Aymara sprechen. Und es gibt eine Menge Cholitas, die Frauen mit 2 geflochtenen Zoepfen, langen Roecken, bunter Kleidung und einem (meines Erachtens nach) leicht schief sitzenden Hut.
Die ersten Tage sah fuer mich in El Alto alles gleich aus. Die Stadt besteht groesstenteils aus roten Ziegelbauten und einigen Lehmhaeusern, die meistens nicht besonders hoch sind. Trotz meines normalerweise guten Orientierungssinns (jaaa, den hab ich :P )hab ich schon einige Tage gebraucht, um alleine zu meiner Arbeit in einem anderen Stadtteil zu finden.
Ausser diesen Haeusern gibt es an die 60 Kirchen, die ein sagen wir mal „ehrgeiziger“ deutscher Pfarrer hier errichtet hat. Die Menschen sind hier sehr glaeubig, in Bolivien allgemein sind 98 % katholisch.
Ausserdem hat hier fast jeder nen Hund. Anfangs dachte ich, es waeren Strassenhunde, da viele auch nachts draussen sind und in Muelltueten wuehlen, aber die meisten haben einen Besitzer. Solang man sie nicht beim Raufen stoert oder sie einem (warum auch immer) hinterherlaufen, sind sie friedlich. Naja, ich bleib trotzdem eher der Katzenfan :).
Was mir anfangs komischerweise nicht aufgefallen ist, sind die Puppen, die in jeder Strasse an den Laternen haengen. Sie sollen Diebe davor warnen, zu klauen, was in der Ceja aber leider keine Wirkung zeigt. Durch die Ceja kommt man, wenn man nach La Paz runterfahren will. Die Ceja ist die „Einkaufsstrasse“, der Durchgang nach La Paz und vor allem nachts gefaehrlich bezueglich der Diebe. Wenns dumm laeuft, bewerfen sie einen mit Dreck, damit man die Haende von seinen Sachen hat, um sie dann zu klauen. Ist mir bis jetzt noch nicht passiert, aber ich bin ja schonmal vorgewarnt. Verglichen mit dem Rest der Stadt sieht die Ceja moderner aus, es gibt mittlerweile sogar ne Uni und allgemein sind die Haeuser dort bunter und hoeher.In El Alto kann man so gut wie alles kaufen, aber es gibt keinen Supermarkt. Alles, von Gemuese ueber Klopapier bis zum Shampoo, wird entweder in den tiendas (den kleinen Laeden) oder auf den Maerkten verkauft. In Restaurants zu essen kostet umgerechnet ungefaehr 70 Cent und auch ansonsten ist alles sehr guenstig, nur Hygieneartikel sind ungefaehr so teuer wie in Deutschland.
Der Verkehr muss natuerlich auch extra erwaehnt werden. Wichtigstes Utensil hierbei: die Hupe! Es gibt wenig private Autos, auch in La Paz und sonst in den grossen Staedten Boliviens, sondern Minibusse (die werden meistens benutzt), Microbusse und Trufis. Taxis gibt es auch, die sind vergleichsweise aber sehr teuer. In den anderen Verkehrsmitteln zahlt man einen festen Preis und steigt innerhalb der Route, die sie fahren, ein und aus wo man will. Das koennte man in Deutschland auch mal einfuehren, dann wuerde jeder (fast) vor seiner Haustuer landen J.
Um nochmal zur Hupe zu kommen: die kommt hier eindeutig oefter zum Einsatz als bei uns. Neben bekannten Situationen, wenn z.B. jemand draengelt, wird auch gehupt, wenn man ueberholt, (uebrigens egal ob links oder rechts) und um Leute von der Strasse zu scheuchen. Auch fuer letzteres gilt: Hupe > Bremse. Eigentlich ist sowieso alles ein einziges Gehupe und ich frag mich dauernd, wie das alles ohne viele Unfaelle funktioniert. Aber genau das ist auch das Faszinierende dran.
Das ist erstmal alles, was ich allgemein ueber El Alto sagen kann, zum Schluss noch ein bisschen zu mir. Wer mehr wissen will, es gibt ja auch noch Wikipedia ;) (aber am besten, wenn man die Sprache versteht, auf Spanisch lesen, das ist alles etwas aktueller).
Ich lebe bei einer sehr netten Gastfamilie und kann in meinem Zimmer ohne Jacke rumlaufen, was gar nicht so ueblich ist, weil vor allem nachts die Temperaturen sehr abkuehlen. Die ersten Tage hatte ich nachts im Bett auch ne eiskalte Nase, aber mittlerweile gehts. Das Wetter ist sehr extrem, in der Sonne kann es sehr heiss, im Schatten im gleichen Moment aber total kalt sein. Hier ist Zwiebellook angesagt. Und man wird auch nicht komisch angeschaut, wenn man gleichseitig mit Sonnenhut und Winterjacke rumlaeuft. Mal abgesehen davon, dass man sowieso die ganze Zeit angeschaut wird, weil man weiss ist ;) Hier oben in El Alto gibt es ausser uns Freiwilligen kaum andere Weisse, ich bin zumindest noch keinem begegnet.
Meine Gastfamilie ist religioes, vor dem Essen wird gebetet und ich werd auch mal mit in die Kirche gehen (eine von den 60 ^^), ansonsten ist mir das aber freigestellt. Und ich kann mich gluecklich schaetzen, nen CD-Player im Zimmer und meine CDs mitgeschleppt zu haben, meine Musik kommt mir hier naemlich sonst etwas zu kurz. Ausser meiner kuerzlich eingefangenen Salmonellen, die ich mit reichlich Antibiotika bekaempf, gehts mir gesundheitlich ganz gut. Trotzdem freu ich mich, heut abend in La Paz mal zum Subway zu koennen (ist das jetzt Schleichwerbung?).
Das wars von mir, ich hoffe euch gehts gut und dass der Eintrag nicht zu lange, verwirrend... ist. Ich will ja, dass ihr was lest, also kommentiert auch schoen, ob euch das so passt :)
Unter der Beschreibung kann man sich die Welt auf der "anderen Seite" so richtig vorstellen. Spannend und interessant beschrieben...Sind schon gespannt auf den nächsten Eintrag...Ich bin stolz auf Dich, drück Dich ganz feste...
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